HIV Heimtest

Prozess um ,,No Angel”-Star weckt Aids-Bewusstsein

Gesundheitsamt: Der Fall Nadja Benaissa hat dazu geführt, dass die Nachfrage nach freiwilligen HIV-Tests steigt
DARMSTADT.

Aids-Aufklärung ist eine Daueraufgabe der Ärztin Christine Bernhard vom Darmstädter Gesundheitsamt. Sie bietet Sprechstunden in ihrem Büro an und besucht Schulklassen. Foto: Roman Grösser
Als ,,No Angel”-Sängerin Nadja Benaissa am Ostersamstag 2009 im Frankfurter Club ,,Nachtleben” festgenommen und ihre HIV-Infektion publik wurde, hatte das spürbare Auswirkungen auf das Darmstädter Gesundheitsamt.
Der Fall des wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagten Gesangstars veranlasste deutlich mehr Männer und Frauen, sich für einen anonymen Aids-Test anzumelden, sagt die Ärztin Christine Bernhard. Es scheint, als ob sich viele erst wieder durch das Gerichtsverfahren um Nadja Benaissa auf die Gefährlichkeit der Krankheit Aids und die hohe Ansteckungsgefahr durch Infizierte besonnen haben.
HIV-Beratung
Das Gesundheitsamt, Niersteiner Straße 3, bietet montags bis freitags von 8 bis 10.30 Uhr eine Sprechstunde an, in der über Aids aufgeklärt wird und anonyme Tests vorgenommen werden. Ein Telefonkontakt ist unter der Nummer 06151/3309-37 möglich.
1982 wurde in Deutschland die erste Aids-Erkrankung festgestellt, 1985 hatte das Darmstädter Gesundheitsamt das erste Aids-Todesopfer in dieser Region bestätigt. Die Krankheit, an der weltweit rund 33,4 Millionen Kinder und Erwachsene leiden, ist immer noch nicht heilbar, aber die seit den achtziger Jahren entwickelten Medikamente können ihren Ausbruch verzögern oder verhindern.
Vor dem Büro der Ärztin Christine Bernhard im Darmstädter Gesundheitsamt weisen Plakate mit dem Slogan ,,Gemeinsam gegen Aids”, rote Schleifen und ein Tisch mit einer Vielzahl von Broschüren auf die HIV-Beratung hin. HIV ist die Abkürzung für ,,human immunodeficiency virus”. Das beim Geschlechtsverkehr übertragene Virus ist der Auslöser für Aids (acquired immune deficiency syndrome, erworbene Immunschwäche).
Im vergangenen Jahr haben sich 787 Männer und Frauen im Darmstädter Gesundheitsamt über HIV aufklären lassen. 773 machten einen HIV-Test, der bei sechs positiv ausfiel. In diesem Jahr waren es (bis 30. Juni) 357 Getestete, von denen einer HIV-positiv war. Zu dieser Klientel gehören laut Christine Bernhard viele junge Leute, die durchaus auf Safer Sex achten, bei denen aber das Kondom geplatzt war. Offen bleibt, ob sich auch Angehörige von Risikogruppen (Homosexuelle und Heterosexuelle mit häufig wechselnden Sexualpartnern) in ausreichendem Maße testen lassen.
Die freiwilligen Tests werden im Gesundheitsamt anonym durchgeführt, die Blutproben im Labor des Klinikums untersucht. Der Test kostet 14,80 Euro; für Auszubildende und Arbeitslose ist er kostenlos. Die Zahl der Infizierten wird an das Robert-Koch-Institut in Berlin gemeldet, das seit Jahren eine deutliche Verlangsamung der HIV-Neudiagnosen feststellt.
Pro Jahr werden rund 3000 neu Angesteckte erfasst, die größte Gruppe sind nach wie vor homosexuelle Männer (67 Prozent), der Anteil der Personen, die eine HIV-Infektion über Drogengebrauch erworben haben, ging auf 3,5 Prozent zurück.
Wenn der Antikörper-Test ,,Elisa” und der Bestätigungstest ,,Western-blot” positiv ausfallen, wird beim Gesundheitsamt noch eine weitere Blutentnahme veranlasst, um eine Verwechslungsgefahr auszuschalten. ,,Das habe ich aber noch nie erlebt”, sagt Christine Bernhard.
Die Testergebnisse werden niemals telefonisch übermittelt. Um sie zu erfahren, muss sich der Getestete schon selbst ins Gesundheitsamt begeben. Wenn die Ärztin den Infizierten die bittere Wahrheit beibringen muss, blickt sie oft in ungläubige Gesichter. ,,Die meisten rechnen nicht damit”. Dann folgen Verzweiflungsausbrüche, und es fließen auch schon mal Tränen. Bernhard erklärt, wo sie Hilfe und Unterstützung finden können: bei der Aids-Hilfe, im Klinikum und in der Uniklinik Frankfurt, in der HIV-Patienten medizinisch und psychologisch betreut werden.
,,Früher verfügte man nur über eine Handvoll Medikamente, heute über fast eine Bibliothek”, sagt Bernhard. Sie können so kombiniert werden, dass die Nebenwirkungen – zum Beispiel Durchfall oder Übelkeit – gering sind. Freilich besteht eine lebenslange Notwendigkeit, diese Medikamente gewissenhaft einzunehmen. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Ohne Behandlung bricht Aids nach etwa zehn Jahren aus, mit Behandlung kann ein Ausbruch vermieden werden. Ein Impfstoff ist noch nicht in Sicht.
Über die gesundheitlichen Gefahren ungeschützten Geschlechtsverkehrs klärt Christine Bernhard vor allem neunte Klassen in allen Schulformen mit Hilfe ihres Aids-Infomobils auf. Dabei sollen die Jugendlichen auf spielerische Weise an die Aids-Problematik herangeführt werden. Bernhard macht dabei aber auch auf andere Geschlechtskrankheiten aufmerksam, die durch Kondome verhindert werden können. An erster Stelle nennt sie die von Bakterien verursachte Chlamydien-Infektion, die zu Erblindung und Unfruchtbarkeit führen, allerdings durch Antibiotika geheilt werden kann. Die Zahl der jährlichen Chlamydien-Neuinfektionen durch ungeschützte Sex-Kontakte wird auf rund 300 000 geschätzt.

Source: echo-online.de

HIV Heimtest |
HIV Schnelltest