Verkehr Das Gesundheitsamt bläst mit Vollgas zum Angriff auf HIV-Testmüdigkeit bei jungen Leuten. Von Markus Klohr
In Sachen Gesundheitspräservation hat das Kreisgesundheitsamt längst den Grand Prix verdient. Morgen peilt die Behörde erneut die Pole-Position an und geht von 22 bis 24 Uhr auf die Piste, also: die Ludwigsburger Disco Apfelbaum im Gewerbegebiet Tammerfeld. Dort steigt die Aktion “Boxenstopp-HIV-Test”. Außer einer Ausstellung von Kondomen, inklusive Praxistest zur Handhabung derselben an einem Holzpenis, haben Discobesucher und andere Fans des geschlechtlich motivierten Rennzirkus die Möglichkeit, sich gratis und anonym auf HIV testen zu lassen.
Der Titel der Veranstaltung birgt ausgesprochen große Symbolkraft. Während die heutige Großelterngeneration promiskuitätstechnisch allenfalls mit dem Leiterwagen auf dem Feldweg herumspazierte, gibt die junge Generation Vollgas, wechselt ihre Geschlechtspartner wie Formel-1-Teams ihre Reifen. Deutlich weniger rasend ist aber oftmals das Interesse an Aidstests. Der Boxenstopp ist geradezu das Sinnbild für ein blitzschnelles Rein-Raus, wo abgenutzte Gummis ohne Rücksicht auf Verluste in die Ecke fliegen. Von dem Mythos des Boxenluders jetzt mal ganz zu schweigen. Einziger Makel: für die Blutentnahme steht nur ein Rotkreuzfahrzeug und kein Rennwagen zur Verfügung.
Trotzdem können die Discobesucher von der behördlichen Bleifußaktion einen wertvollen Leitsatz für ihr künftiges Sexualverhalten ableiten. Nein, gemeint ist hier natürlich nicht “Wer bremst, verliert”.
Sondern eher “Gib Gummi!”


