Der Fall der No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa, die sich zurzeit wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten muss, hat das Thema Aids wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Auch in der Aids-Beratungsstelle des Hochtaunuskreises hat sich das ausgewirkt. Die TZ sprach mit der Leiterin Dr. Elisabeth Pitzius.
Frau Dr. Pitzius, wie hat sich die Verhaftung und der Prozess von Nadja Benaissa auf Ihre Arbeit ausgewirkt?
PITZIUS: Im Zusammenhang mit der Verhaftung der Sängerin im April 2009 war deutlich zu spüren, dass HIV oder Aids plötzlich wieder ein Thema in der Öffentlichkeit waren. Die Menschen, die in dieser Zeit telefonisch oder persönlich den Kontakt zu mir suchten, machten dies deutlich. Dies habe ich nun zu Prozessbeginn allerdings nicht mehr bemerkt.
Können Sie den Bedarf an Beratung und an Aids-Tests beziffern?
PITZIUS: Im April 2009, dem Monat der Verhaftung, wurden in der Beratungsstelle des Kreises 16 HIV-Antikörperuntersuchungen durchgeführt. Im Vergleich dazu waren es im April 2010 nur vier Blutuntersuchungen zum Nachweis beziehungsweise Ausschluss von HIV-Antikörpern. Der Durchschnitt liegt zwischen acht und zwölf Untersuchungen.
Und wie sieht es für den aktuellen Monat August aus?
PITZIUS: Bis jetzt wurden 15 HIV-Antikörpertests durchgeführt. Das ist überdurchschnittlich. Allerdings wurden im August 2009 sogar 21 HIV-Tests durchgeführt, so dass es fraglich ist, ob diese Zahl im Zusammenhang mit dem Prozess zu sehen ist.
Wie alt sind die Ratsuchenden?
PITZIUS: Die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen sowie die der 30- bis 39-Jährigen nehmen den größten Anteil bei den HIV-Tests ein. Hier ergab sich im April 2009 und im laufenden Monat kein Unterschied. Die Personen, die zur Beratungsstelle kommen, geben als Grund für die Untersuchung zumeist an, eine neue Partnerschaft zu beginnen, oder sie sagen, dass sie den Test aus informativen Gründen machen.
Wenden sich auch Infizierte und deren Bekannte mit der Bitte um Rat an Sie?
PITZIUS: Nein. Für sie sind eher die Aids-Behandlungszentren in Frankfurt – wie zum Beispiel an die Infektions-und Studienambulanz der Universitätsklink – der Ansprechpartner. Denn dort findet die weitere Betreuung von Patienten statt, die sich mit dem HIV-Virus infiziert haben. Sie und ihre Angehörigen werden dort auch psychosozial betreut.
Was leistet die Beratungsstelle des Hochtaunuskreises?
PITZIUS: In der Beratungsstelle werden persönliche Beratungen, die in der Regel zu einem HIV-Antikörpertest führen, durchgeführt. Sollte eine Infektion nachgewiesen werden, werden die Personen, nach einer Beratung durch uns, zu weiteren Untersuchungen und zur Behandlung an die Uni-Klinik in Frankfurt verwiesen.
Source: fnp


